Ausstellungsanlage „Harzreise in TTm“

„Harzreise in TTm“ ist unsere erste eigene mobile Ausstellungsanlage. Auf ihr werden Motive der Harzer Schmalspurbahnen in TT (1:120) dargestellt. Genauer gesagt in TTm, da ja die Schmalspurbahn im Harz auf Meterspur unterwegs ist.

Wieso kommt man als kleiner Verein im östlichsten Zipfel von Sachsen auf die Idee eine Modellbahnanlage mit Harzer Motiven und noch dazu in so einer unbekannten Spurweite zu bauen? Ganz einfach aber auch traurig. Wir erhielten einen Nachlass von einem befreundeten Modellbahner. Dieser enthielt unter anderem ein paar Züge in TTm. Bis dahin hatte noch keiner von uns jemals Fahrzeuge in TTm gesehen beziehungsweise wusste, dass es so etwas überhaupt gibt. Die meisten Fahrzeuge sind von der Firma Kehi aus Eisenach. Leider musste in den frühen 2000ern die Firma ihren Betrieb einstellen. Zunächst bekamen unsere geerbten Fahrzeuge erst mal einen Schauplatz in einer Vitrine. Auf einer Messe fanden wir dann einen Bausatz des Bahnhofs Steinerne Renne. Damit sollte ein Diorama gebaut werden, wo die Modelle in Ihrem „natürlichen Habitat“ präsentiert werden können. Nach eingehender Recherche von Fachliteratur, Videomaterial und vor Ort Besichtigungen, sowie einigen Diskussionen fiel der Entschluss: „Und wenn wir schon Strom auf den Gleisen haben, können wir ja den Kreis auch schließen und die Züge auch kreiseln lassen.“  So wurde aus dem Diorama eine kleine transportable Modulanlage. Im Januar 2026 haben wir unsere neue Modellbahnanlage das erste Mal der Öffentlichkeit auf der Messe in Löbau vorstellen können.

Die Anlage wurde von uns als Modulanlage in Form eines Guckkastens konzipiert und nach aktuellen Motiven aus dem Harz in der Epoche 6 gestaltet. Uns war wichtig, dass sie leicht in ein bis zwei Pkw verpackt werden kann. Für unsere Kopfstücke nutzen wir eine Abwandlung der Modulnorm des FKTT für TTm. Durch die Planung der Anlage in Kreisform, ermöglicht sie uns einen stressarmen Ausstellungbetrieb. Dies ist insbesondere bei Ausstellungen in weiter Ferne von Vorteil, wo wir oft mit etwas weniger Personalstärke auskommen müssen.

Die Anlagenteile „Steinerne Renne“ (zwei Module) und das Anlagenteil „Grube König Friedrich“ (ein Modul) bilden den sichtbaren Teil. Im Vorbild fahren die Züge vom Bahnhof Steinerne Renne auf eingleisiger Strecke jeweils in Richtung Wernigerode oder Drei Annen Hohne. Auf unserer Modellbahnanlage treffen beide Strecken auf unserem vierten Modul dem Schattenbahnhof „Drei-Annegerode“ zusammen. Der Schattenbahnhof ist als eine Art sechsgleisige Schiebebühne ausgeführt. Zurzeit wird analog geschalten und analog mit einem Heißwolfregler gefahren.

Der Anlagenteil „Steinerne Renne“ besteht aus zwei Modulen die L-Förmig zusammengebaut werden. Auf dem einen Modul befindet sich der Bahnhof Steinerne Renne. Dieser Bahnhof wurde im Original mit Streckenöffnung 1898 in Betrieb genommen. Unser Bahnhof spiegelt die Vorbildsituation wieder wie sie derzeit vorzufinden ist (2025). Der ganze Bahnhof befindet sich im Wald. Nur im Vordergrund des Bahnhofes hat der Borkenkäfer zugeschlagen. Die Natur hat sich aber schon geholfen und es wachsen schon wieder Büsche und Blumen. Den restlichen kaputten Bäumen wird aber noch mit Hilfe von Forstarbeitern und eines Rückepferdes zu Leibe gerückt. Zum Glück für den Betrachter, denn sonst wäre der Bahnhof im Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen gewesen. Es sind übrigens über 200 Bäume verbaut worden, wovon über 95% handgefertigte Unikate sind.

Auf dem zweiten Modul befindet sich das Wasserkraftwerk Steinerne Renne mit dem markanten 180° Kreisbogen. Dieser hat im Original einen Halbdurchmesser von 60m und ist der engste im gesamten Netz der Harzer Schmalspurbahnen. Aktuell sind in dieser Kurve sogenannte Y-Schwellen verbaut, welche für eine stabilere Gleislage sorgen. Da diese nicht käuflich zu erwerben sind, wurden sie von uns kurzer Hand selbst konstruiert und mittels 3D-Druck gefertigt. In der Kurve steht das Wasserkraftwerk Steinerne Renne. Es wurde bereits 1899 gebaut und wird auch heute noch genutzt. Dieses auffällige Gebäude konnten wir natürlich nicht weglassen und haben es in vielen, vielen Stunden konstruiert, per Laser ausgeschnitten und zusammengebaut. Hinter dem Flüsschen „Holtemme“, die das Modul einmal quer kreuzt, geht es wieder in den Wald. Hier findet man noch den sagenumwobenen Silbernen Mann Felsen. Mit etwas Glück kann man hier ein Selfie mit dem Berggeist aus einer der vielen Harzer Sagen machen.

Der Anlagenteil „Grube König Friedrich“  bildet die Kurve zurück in den Schattenbahnhof. Der Bahnparallelweg, der im Original auch parallel zur Bahnlinie verläuft und auch schon auf den anderen beiden Modulen immer mal wieder zu sehen war, führt hier an dem Mundloch des Bergwerkes „Grube König Friedrich“ vorbei. Eine Schulklasse wandert den Weg lang. Ob sie das Bergwerk aus dem 17.-18. Jahrhundert besichtigt haben oder doch lieber mit der Eisenbahn fahren wollen?